| Vor Ihnen liegt ein Rückblick auf 20 Jahre Wohnungsbaugesellschaft mbH Eibenstock.
In der Geschichte sind 20 Jahre oft ein sehr kurzer Zeitraum. Da ich diesen Zeitraum als Verantwortlicher des einzigen
Gesellschafters
der Wohnungsbaugesellschaft vollständig miterlebt habe, kann ich sagen, es war eine kurze Zeit voller dramatischer
Veränderungen. Ich erinnere mich an die ersten Monate meiner Amtszeit, in der das Wohnungswesen in Eibenstock in
jeder Hinsicht ein großes Problem darstellte. Wöchentlich kamen zum Sprechtag Dutzende von Bürgern, die dringend
Wohnraum suchten. Es gab weder sanierten Wohnraum noch bestanden Möglichkeiten, Sanierungen durchzuführen.
Im Neubaugebiet Funckstraße befand sich der letzte Block im Rohbau, um die Wohnungen entbrannte der Kampf noch bevor
diese überhaupt fertig gestellt waren. Mit dem Inkrafttreten des Kommunalvermögensgesetzes der DDR Anfang 1990 wurde
den Gemeinden ermöglicht, ihr kommunales Vermögen zurückzuerhalten. Für die Wohnungswirtschaft hieß dies konkret,
dass die im VEB Gebäudewirtschaft „Am Auersberg“ integrierten Gemeinden Eibenstock Hundshübel, Stützengrün, Schönheide,
Carlsfeld, Wildenthal und Blauenthal ihre Wohngebäude zurückbekommen können. Die Bürgermeister der Gemeinden wollten
eine möglichst schnelle Rückabwicklung des ganzen Vermögens. Lediglich die Gemeinde Schönheide war bereit, einen Teil
des Personals des damaligen Gebäudewirtschaftsbetriebes zu übernehmen. Der größte Teil des Betriebes verblieb aber bei
der Stadt Eibenstock. Für mich gab es keine Möglichkeit, die Lasten der Personalkosten bei den damals verschwindend
geringen Mieteinnahmen zu schultern. Damit war auch klar, dass die Entflechtung des VEB Gebäudewirtschaft „Am Auersberg“
am Ende einzig und allein das Problem der Stadt Eibenstock blieb. Bei den ohnehin großen Problemen, die die Stadt zu lösen
hatte, war dies eine zusätzliche Aufgabe, die viel Kraft und Mühe kostete.
Das größte aller Probleme aber tat sich ebenfalls im Jahr 1990 auf. Buchhalterisch lagen 25 Millionen DDR – Mark an
Altschulden auf dem kommunalen Wohnungsbestand der Stadt Eibenstock. Zum damaligen Zeitpunkt war dies eine unvorstellbare
Summe. Im Gegensatz dazu hatte die Gemeinde Schönheide nur etwa ein Viertel dieser Summe als Altschuldenbelastung,
obwohl sie etwa die gleiche Neubaufläche besaß wie die Stadt Eibenstock. Es ist im Prinzip nie nachvollziehbar gewesen,
warum wir eine so hohe Belastung hinnehmen mussten. An eine einmal kommende Entflechtung des Betriebes hat ja zum
Zeitpunkt der Schuldenaufnahme niemand zu denken gewagt. Die Altschulden sollten 20 Jahre lang das Geschehen der
Wohnungsbaugesellschaft mbH wesentlich mitbestimmen. Mit der Währungsunion wurde dieser Kreditbetrag zwar halbiert,
mit dem Zinsmoratorium wuchsen die Altschulden allerdings auf 14.602.851,74 DM (ohne den nach der Wende fertig
gestellten Wohnblock – „Wendeblock“) an. Dies war exakt unsere finanzielle Erblast am Tag, als die
Altschuldenhilferegelungen für uns in Kraft traten (22.6.1994). Wir konnten leider nur die Teilentlastungsregelungen
in Anspruch nehmen, die bestimmten, dass die Altschulden auf 150 EUR je Quadratmeter vorhandener Alt- und Neubauwohnfläche
abgesenkt wird. Dies brachte für uns den Nachteil, dass auch der weitestgehend unbelastete Altbaubestand nun mit 150 EUR
je Quadratmeter Wohnfläche belastet wurde. Damit konnten die Altschulden nominal zwar auf 7.878.839 EUR (einschließlich
„Wendeblock“) abgesenkt werden, aber es war immer noch sehr viel mehr als wir uns erhofft hatten. Selbst eine Intervention
beim Innenministerium für die ungerechte Verteilung der Altschulden brachte nichts anderes hervor als ein bedauerndes
Schreiben des damaligen Staatssekretärs, in dem er zugab, dass aufgrund des hohen unsanierten Altbaubestandes in der
Stadt Eibenstock die Wirkung des Altschuldenhilfegesetzes nicht den Erfolg brachte, wie in Gemeinden, die reine
Neubaugebiete entlastet bekamen. Eibenstock sei ein bedauerlicher Fall. Das trieb schon manche Sorgenfalte auf die Stirn.
Jedoch war spätestens zu diesem Zeitpunkt klar, dass nur wir selbst uns aus diesem Dilemma herausziehen bzw.
herausarbeiten können.
Ein weiteres sehr großes Problem zum damaligen Zeitpunkt stellten auch die vielen Restitutionsansprüche von
Alteigentümern im Altbaubereich dar. Diese führten über viele Jahre hinweg zu ungeklärten Eigentumsverhältnissen, was die
Arbeit im Wohnbestand natürlich sehr erschwerte. Man lief Gefahr, Fehlinvestitionen bei der Sanierung von Wohnraum zu
tätigen, weil man ja nicht wusste, ob und wann ein Gebäude an einen Alteigentümer zurückgegeben wird. So blieben wir auch
vor Fehlentscheidungen nicht verschont, wobei sich der Schaden in Grenzen gehalten hat. Auch heute sind für einige
Gebäude die Eigentumsverhältnisse immer noch nicht geklärt.
Ich sah damals die einzige Lösung, die Probleme nachhaltig in den Griff zu bekommen, in der Gründung einer städtischen
Wohnungsbaugesellschaft, wo die Stadt Eibenstock 100-prozentiger Gesellschafter ist. Die Wohnungsbaugesellschaft
Eibenstock mbH war 1990 eine der ersten kommunalen Wohnungsbaugesellschaften, die gegründet worden ist. Es gab in unserem
Landkreis noch gar keine Notare, so dass wir damals in Reichenbach die Gesellschaft gegründet haben. Mit 25.000 DM
Stammkapital haben wir den Schritt in die Zukunft gewagt. Die Ausprivatisierung der Bauabteilung ging mit der Gründung
der Wohnungsbaugesellschaft einher. Dies war ein wichtiger Schritt zur Entflechtung der alten VEB – Struktur. Die Mieten
entwickelten sich in den Folgejahren recht langsam, wodurch auch die Sanierungsarbeiten nur sporadisch vorankamen. Den
großen Wohnungsbedarf wollten wir gerecht werden, indem wir zusätzliche Wohnungsneubauten angegangen sind. Die
qualitative Verbesserung des Wohnraums stand in der 2. Hälfte der 90er-Jahre im Mittelpunkt, wo die Sanierung der
Funckstraße für Hunderte von Familien deutliche Verbesserungen des Wohnstandards gebracht hat. Dies musste mit einer
maßvollen Neuverschuldung einhergehen, denn finanzielle Mittel hatten wir als Wohnungsbaugesellschaft ja kaum auf die
Seite legen können.
Zum Ende des 1. Jahrzehnts der Wohnungsbaugesellschaft änderten sich die Rahmenbedingungen auf sehr gravierende Weise.
Heute kann man behaupten, sie haben sich ins Gegenteil verkehrt. Aus Wohnungsnot wurde im Ort ein Wohnungsüberangebot.
Der anhaltende Wegzug junger Leute und die negative demografische Entwicklung sorgten für das große Problem des
Wohnungsleerstandes. Dieser konzentrierte sich vor allem auf den unsanierten Altbaubestand. Es lauerte nun ein neues
Problem. Mit dem wachsenden Leerstand liefen wir Gefahr, den Kreditverpflichtungen nicht mehr nachkommen zu können. Der
Geschäftsführung gelang es aber, durch den geschickten Einsatz von Rückbaufördermitteln und einen bedingungslosen
Sparkurs die Tilgung unserer Darlehen voranzutreiben. Dies war die wesentliche Aufgabe in den letzten 10 Jahren des
Unternehmens, die mit Bravour gelöst wurde. Heute haben wir nur noch rund 2,4 Millionen Altschulden zu bedienen. Die
Gesamtverschuldung der Wohnungsbaugesellschaft sank auf unter 8,5 Millionen EUR. Dies kann sich sehen lassen.
Deshalb möchte ich mich beim Geschäftsführer, Herrn Zebisch, im Besonderen sowie bei allen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern, die in den vergangenen 20 Jahren für die Gesellschaft gewirkt haben, ganz herzlich für die geleistete
Arbeit bedanken. Diese war die Voraussetzung dafür, dass wir heute wieder Spielräume für Investitionen haben. Das große
Ziel, langfristig qualitativ hochwertigen und bezahlbaren Wohnraum für die Bürger unserer Stadt zur Verfügung stellen zu
können, haben wir erreicht. Auch wenn manchmal unangenehme Entscheidungen zu treffen waren, so standen sie immer im
Einklang mit diesem großen Ziel. Dafür stand sowohl der Stadtrat als auch der Aufsichtsrat unserer Wohnungsbaugesellschaft
in Übereinstimmung mit der Geschäftsführung.
Die Wohnungsbaugesellschaft mbH Eibenstock ist ein eindrucksvoller Beweis für die These, dass schmerzhafte Einschnitte
und Entscheidungen an der richtigen Stelle dazu führen, dass nachhaltig gewirtschaftet wird und Spielräume für die
Zukunft erhalten werden. Hätten wir nicht die vielen unangenehmen Entscheidungen getroffen, würden wir heute nicht über
Mittel verfügen, weiter Wohnraum zu sanieren und den Bestand weiter aufzuwerten.
Die Wohnungswirtschaft im Osten Deutschlands wird weiter ein Sorgenkind bleiben. Die negative demografische Entwicklung
wird sich ungebremst fortsetzen, erst mit einer wirtschaftlichen Erholung wird auch der Bedarf an Wohnraum wieder steigen.
Insofern haben wir nach 20 Jahren Wohnungsbaugesellschaft mbH Eibenstock ein Zwischenziel erfolgreich gemeistert. Dennoch
gilt es, stets die Entwicklungen zu beobachten und daraus die richtigen Schlüsse für weitere Entscheidungen der
Gesellschaft zu treffen. Wenn Eibenstock ein attraktiver Wohnstandort bleibt, werden wir auch langfristig eine
erfolgreiche Wohnungsbaugesellschaft haben. Deshalb muss das Hauptaugenmerk aller Aktivitäten darauf gerichtet sein, den
Wohnraum bezahlbar zu erhalten. Vor allem bei den Betriebskosten ist daran zu arbeiten, Lösungen für die Mieter zu finden,
wo sie die so genannte 2. Miete deutlich reduziert bekommen. Das Thema „Erneuerbare Energien“ spielt dabei ebenso eine
Rolle, wie die energetische Sanierung der Gebäude. Es liegen also schwierige aber auch spannende Aufgaben vor uns. Ich
wünsche der Geschäftsführung mit seinen Mitarbeitern dazu viel Erfolg. Ihnen als Mieter der Wohnungsbaugesellschaft mbH
wünsche ich stets Zufriedenheit und guten Service mit unserer stadteigenen Wohnungsgesellschaft.
Uwe Staab
Bürgermeister
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